KLETTGAU-GRIESSEN. Überwältigender Andrang in der Gewerbehalle Drayer: Über die Zukunft der regionalen Stromnetze und Wege aus dem Einspeise-Engpass informierte die KlettGeno eG gemeinsam mit dem Solar- und Speicherpionier Stefan Drayer. Im Mittelpunkt des Informationsabends stand das innovative Konzept der „Nulleinspeisung am Tag & Nachteinspeisung bei Strommangel“, vorgestellt von Prof. Dr.-Ing. Elisabeth Drayer.
Begrüßt wurden die zahlreichen Interessierten – darunter Mandatsträger aus der Region sowie Thomas Bechtholdt, Geschäftsführer der Elektrizitätsversorgung Klettgau-Rheintal (EVKR) – von Susanne Göbelbecker (auch im Namen der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter). Durch den Abend führte Joachim Netzhammer, Vorstand der KlettGeno eG, der einleitend die außergewöhnliche Stabilität des lokalen EVKR-Netzes lobte und das Engagement der vor einem Jahr gegründeten genossenschaftlichen Energiegruppe hervorhob.
Pionierkonzept für Alt- und Neuanlagen
In ihrem Fachvortrag beleuchtete Prof. Dr.-Ing. Elisabeth Drayer drei zentrale Herausforderungen der aktuellen Energiewende: überlastete Verteilnetze während der sonnenreichen Mittagsstunden, extrem schwankende Börsenstrompreise mit negativen Werten bei Überschusseinspeisung sowie das Auslaufen der EEG-Förderung für Pioniere der ersten Stunde („Ü20-Anlagen“).
Als praxistaugliche Lösung präsentierte sie ein in Kooperation mit Andreas Tüm erarbeitetes Feldforschungsprojekt: Die Solarenergie wird tagsüber nicht ins Netz eingespeist, sondern über eine „weiche Nulleinspeisung“ lokal genutzt oder in Akkus zwischengespeichert. Erst in den Abend- und Nachtstunden – wenn die Sonne nicht mehr scheint, der regionale Strombedarf hoch ist und die Börsenpreise ihren Höchststand erreichen – wird der Strom gezielt eingespeist.
„Dadurch, dass wir unseren Strom nicht mittags zu mickrigen oder gar negativen Preisen ins Netz pressen, speisen wir erst dann ein, wenn wir sehr hohe Strompreise erzielen und gleichzeitig das Netz entlasten können“, verdeutlichte Prof. Dr.-Ing. Elisabeth Drayer den Kernvorteil des Modells.
Die Kernvorteile des Modells auf einen Blick:
Netzdienlichkeit:
Entlastung der Verteilnetze in Mittagsspitzen ohne teuren Netzausbau.
Wirtschaftlichkeit:
Signifikant höhere Erlöse durch Einspeisung zu Hochpreiszeiten (z. B. 14,5 Cent/kWh im Schnitt gegenüber ca. 3,7 Cent Standard-Direktvermarktung).
Autonomie & IT-Sicherheit:
Lokale Steuerung (z. B. via Python/Modbus) ohne fremde Eingriffe von außen.
Regionale Kooperation & Ausblick
In der anschließenden lebhaften Diskussion adressierten Bürger Themen wie Smart-Meter-Rollouts, Cybersicherheit sowie Netzüberlastungen bei Neuanlagen. EVKR-Geschäftsführer Thomas Bechtholdt zeigte sich tief beeindruckt von der hohen Bürgerbeteiligung und unterstrich den Wert der regionalen Zusammenarbeit:
„Bei Projekten dieser Art zeigt sich, wie wichtig es im Zuge der Energiewende ist, dass man weniger über- und dafür mehr miteinander spricht. Das ist ein tolles Beispiel dafür, wie Energiewende vor Ort gemeinsam gelingen kann“, bekräftigte Bechtholdt.
Bei einem anschließenden Umtrunk nutzten die Anwesenden die Gelegenheit für den weiteren fachlichen und nachbarschaftlichen Austausch.